oldeaniblog

Anna bei den Elefanten - 10 Monate Bundesfreiwilligendienst in Tansania

07Juni
2016

Die letzten Wochen in vollen Zügen genießen

Hallo ihr Lieben,

zu aller erst möchte ich mich bei euch entschuldigen, dass ich so lange keinen Blogeintrag mehr hochgeladen habe. Vor ein paar Tagen fiel mir ein, dass mein letzter Eintrag ja wirklich schon etwas länger her ist. Wir haben in der letzten Zeit gefühlt fast keine ruhige Minute gehabt. Da ging das Blog schreiben tatsächlich etwas unter. Wir besuchten so viele Leute, machten für den Chekechea wieder ein paar neue Sachen und verbrachten viel Zeit mit den Wairaq (das sind die Menschen, die hier mit uns leben. Sie heißen so, denn sie gehören dem Iraq–Stamm an). Aber jetzt habe ich endlich mal wieder die Ruhe gefunden, in meinem Blog von all den schönen Erlebnissen der letzten Zeit zu berichten. Jetzt bleibt nur noch die Frage, wo ich am besten anfange… :-D

Ich denke ich beginne mit den so vielen schönen Besuchen im letzten Monat. Wir hatten die Ehre ganz viele Familien und Leute zu besuchen. So verbrachten wir z.B. einen wunderschönen Nachmittag bei unserem Koch Florian und seine Familie bei ihm zu Hause. Auch sie leben, wie die meisten Familien, in einer Lehmhütte auf den Feldern unserer T.E.C. Farm. Das Haus liegt total schön an einem kleinen Hang und ist von Bohnenfeldern und Mais umgeben. Die Abendsonne scheint auf den kleinen Platz vor dem Haus und die hohen Bäume wiegen sich im Wind. Nur schon für diesen Anblick hatte sich der ziemlich lange Weg zu Florian total gelohnt. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch in eine Art Sessel, die so bequem sind. „Mama“, wie Florian seine Frau nannte, brachte uns super leckere Mandazi (ein frittiertes Gebäck, welches Olina und ich total lieben) und Chai. Zuerst unterhielten wir uns nur mit Florian und redeten über die Abgeordneten im Parlament und darüber, dass die Zeit so schnell vergeht. Schon das war total schön. Später kam Mama dazu. Sie war erst ganz schüchtern uns gegenüber. Aber sie taute immer mehr auf und lächelte uns noch etwas schüchtern an. Dann stand sie auf, ging in ihre Schlafkammer und zurück kam sie mit Fotos von ihrer Hochzeit. Die Bilder von der Hochzeit von Florian und Mama waren so wunderschön, dass ich aufkommende Tränen unterdrücken musste. Die Bilder haben mich sehr berührt. Ich kann gar nicht genau sagen wieso. Vielleicht weil die Stimmung so besonders war, wir vorher so weise Worte von Florian gehört hatten, Fotos was ganz Besonderes für die Menschen hier sind oder die beiden auf den Fotos so andächtig und glücklich aussahen. Auf jeden Fall war es ein ganz besonderer Moment für mich. Wir fühlten uns auch so geehrt, dass sie diese Erinnerung mit uns teilten. Die beiden haben vier Kinder im Alter zwischen 16 und sechs Jahren. Florian erklärte uns, wie wichtig den beiden eine gute Bildung für ihre Kinder ist. Er fand dafür einen richtig schönen Vergleich. Er sagte, dass ein Kind ohne Bildung genau so verloren wäre wie ein Bauer ohne Jembe (Eine Jembe ist so etwas wie eine Schaufel oder Hacke, mit der die Felder umgegraben und Löcher für die Samen ausgehoben werden; also ein Grundinstrument für alle Bauern hier). Dieser Vergleich macht, wie ich finde, so gut deutlich, was eine gute Bildung für Kinder ausmacht und wie wichtig Florian und Mama die Bildung für ihre Kinder ist. Es war also wirklich eine ganz besonders schöne Begegnung mit Florian und Mama. Die Zeit verging so schnell, dass uns Florina am Ende zurück zum Haus der Brüder bringen musste, denn es wurde schon dunkel und dann ist es ja zu gefährlich alleine zu gehen. Einem Büffel, Elefanten, einer Hyäne oder einem Chui (Leoparden) will ich auch echt nicht so gern plötzlich alleine gegenüberstehen… :-D

 

Florian, ich und Mama

 

 

Wenn wir mit Philimino (unserem liebsten Fahrer) nach Karatu fahren, dann versuchen wir ihn auch immer zu einem Besuch bei Kassian zu überreden. Wenn Zeit ist, fahren wir da immer sehr gerne hin! Kassian ist der fundi (so etwas wie Elektriker) für die Brüder und unsere Handys, er hat einen kleinen Fernseher-Laden in Karatu und ist ein guter Freund von Brother Aldo und Philimino. Auch wir schätzen ihn sehr. Da er seit Januar eine Verletzung am Bein hat und deshalb die ganze Zeit nicht arbeiten konnte, besuchten wir ihn zu Hause bei seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern. Sie wohnen etwas außerhalb von Karatu in einem kleinen Haus. Wir werden immer so herzlich willkommen geheißen, wenn wir vorbeischauen. Es wird sofort Soda gekauft, damit wir Gäste eine Soda trinken können. So sitzen wir dann alle beisammen, unterhalten uns etwas, die ältere Tochter begeistert sich sehr für unsere Haare und ihr jüngerer Bruder schaut noch etwas scheu durch den Vorhang. Nach der Soda ist es auch schon wieder Zeit aufzubrechen. Wir wurden mit Segenswünschen von Kassian förmlich überschüttet. Er freute sich so sehr über unseren Wunsch, ihn zu besuchen und uns hat es noch viel mehr gefreut, ihn mit unserem Besuch glücklich zu machen.

Einen Sonntagmorgen fragte uns Brother Elia, ob wir nicht die Masista (die Schwestern, die auf der anderen Seite der großen Straße von Karatu zum Ngorongoro-Krater leben und mit denen unsere Brüder gut befreundet sind) mit besuchen wollen. Brother Elia wollte nicht so gern alleine fahren. Das ließen wir uns aber nicht zwei Mal sagen! Natürlich wollten wir mit! Die Masista sind so liebe Menschen. Kurz nach Weihnachten hatten wir sie schon einmal besucht (was ja jetzt auch echt schon wieder so lange her ist) und da war es so schön. Jetzt waren wir so dankbar für die kleine Einladung von unserem lieben Bruder. Die Masista haben so einen wunderschönen Garten und auch hier wurden wir wieder so herzlich empfangen. Es war sehr schön und zwischenzeitlich auch sehr amüsant unserem Bruder bei Gesprächen mit den Schwestern zuzuhören. Eine Schwester war schon etwas älter und dann neckten sich der Bruder und sie immer etwas. Das war sehr lustig mit anzusehen. So hatten wir also wieder einen so schönen Nachmittag bei den Masista verbringen können.

Jetzt liegt es mir aber noch mal am Herzen, ein Wort über die Gastfreundschaft der Tansanier zu verlieren. Die Gastfreundschaft der Tansanier ist phänomenal! Wie gerne sie uns, die wir ja nur Gäste in diesem Land sind, nach Hause einladen, wie sie uns mit Sachen beschenken, jedes Mal Essen servieren und wenn es nur eine Soda gibt, wie sehr sie sich dafür entschuldigen. Wir spüren von Mal zu Mal mehr, wie offen die Arme der Tansanier sind, mit denen sie uns empfangen. Ich weiß nicht wie es mir gehen würde, wenn ich dieses Gefühl der Offenheit der Tansanier nicht spüren würde. Ich glaube, ich würde mich hier ziemlich verloren fühlen. Durch diese Herzlichkeit der Tansanier ist unsere Farm ein zweites zu Hause für mich geworden. Die Menschen grüßen uns jedes Mal so lieb und strahlen uns an, wenn wir vorübergehen, genau wie es uns Freude macht, allen ein Lächeln zu schenken, denn wir fühlen uns willkommen! Diese Herzlichkeit schätze ich so sehr!

Im Chekechea ist auch gerade wieder ganz viel los! Diese Woche werden Mitihani (Prüfungen) geschrieben. Olina und ich bereiteten alles letzte Woche vor, genau wie wir es auch schon einmal im November taten. Das machte uns beiden wieder total viel Spaß! Mein Lehrerherz hofft jetzt natürlich, dass die Prüfungen auch gut ausfallen und unsere Kinder ihr Bestes geben. Aber in den letzten Wochen sind die Kinder, vor allem die Älteren, so gut geworden, dass man fast nichts mehr korrigieren muss, wenn sie uns die Hefte nach getaner Arbeit geben. Ich glaube die schönste Belohnung für die Kinder ist es immer, wenn sie Nipe Tano (High Five) mit uns machen dürfen und einmal kräftig einschlagen und danach grinsend ihr Heft mit der richtig guten Arbeit entgegennehmen. Das ist so schön zu sehen und macht die Kinder UND uns glücklich! Es ist wunderbar zu beobachten, dass unsere Bemühungen Früchte tragen und die Kinder tatsächlich so viel besser geworden sind. Sogar unsere „Problemkinder“, die immer große Schwierigkeiten mit dem Lernen und vor allem mit der Konzentration hatten, bekommen es schon viel besser hin. :-) Wir sind mal gespannt auf die Prüfungen. Natürlich gibt es aber auch immer Kinder, die einen fast verrückt machen. Ein Junge schlägt die anderen Kinder jede freie Minute. Wir haben ihm schon so oft versucht zu erklären, dass man keine anderen Kinder schlägt und vor allem nicht nur so aus Lust und Laune. Aber es bringt nichts. Manche Kinder brauchen einfach Zeit.

Auch ist es im Chekechea gerade so schön, denn wir verstehen uns mit Selina und Joyce so gut. Es gibt natürlich auch immer mal Momente, in denen man merkt, dass wir einfach aus ganz unterschiedlichen Kulturen kommen und ganz anders aufgewachsen sind. So zum Beispiel, wenn es um das Schlagen der Kinder geht. Aber es war ja von Beginn an klar, dass wir Deutschen da einfach eine andere Einstellung als Tansanier haben. Darum ist es am besten, sich darüber nicht den Kopf zu zerbrechen und es einfach so zu akzeptieren, wie es ist. Denn vom Menschlichen her verstehen wir vier Lehrerinnen uns so gut! Wir können vernünftig und ernsthaft reden, uns unterhalten, aber auch so wunderbar lachen und Spaß zusammen haben! Vor ein paar Wochen haben wir beschlossen, einen kleinen Ausflug zu einer ganz in der Nähe gelegenen Lodge zu machen. Also marschierten wir vier los - durch die Kaffeefelder und Geheimwege und mitten durch die Maisfelder. Als wir einen Berg erklommen hatten, entdeckten wir einen großen alten Baum. Auf einmal hatten wir - von einer leichten Abenteuerlust getrieben - die Idee, auf diesen Baum zu klettern. Das gestaltete sich als ziemlich schwierig und letztendlich schafften es nur Joyce und ich auf den Baum. Aber da oben hatten wir so viel Spaß! Mit einem Rock auf einen Baum zu klettern ist nämlich echt nicht so einfach und erfordert ein paar Tricks… :-D Oben auf dem Baum sitzend hatten wir so eine wunderbare Sicht über die Felder und das Tal. Diese spontane Kletteraktion hat mich so glücklich gemacht, weil wir vier einfach zusammen das machen können, wozu wir gerade Lust haben und dabei so viel Lachen, dass mir der Bauch schon wehtat und ich Angst hatte, vor Lachen nicht mehr vom Baum zu kommen. :-D Letztendlich schaffte ich es aber doch und wir setzten unseren Spaziergang fort. Die Lodge war nicht so eine typische Lodge, wie ich sie mir vorgestellt hatte, denn sie war auf „Ureinwohner-Stil“ gemacht. Mit einzelnstehenden Holzhütten und ganz, ganz viel Ruhe und Blick auf den Ngorongoro-Krater. Es war echt schön da oben! Ein Kumpel von Joyce führte uns etwas herum und dann setzten wir uns vor eine Hütte in die letzten Strahlen der Abendsonne und erzählten uns Geschichten – von Hochzeiten, Büffeln, Kirchgängen, missglückten Fotos und so einigen anderen Sachen. Wir sangen ein Lied zusammen und hatten es so mega schön zusammen! Zurück wurden wir von Joyces Kumpel und einem Massai begleitet, der auch in der Lodge arbeitet. Abends saßen wir noch bei Joyce und halfen ihr beim Essen machen. Dafür haben wir kleinen Fischen die Köpfe abgerissen. Das hört sich jetzt ziemlich brutal an, aber das waren echt nur so Minifische. Zugegebenermaßen kam es uns bei den ersten Fischen auch ziemlich makaber vor, aber für Joyce machten wir weiter und mit der Zeit war es nicht mehr schlimm. Auch dieser Ausflug war wieder ein voller Erfolg und machte uns vier zu einem richtig guten Team!

 

 

Zudem macht uns an der Arbeit im Chekechea so viel Spaß, dass wir immer wieder kleine neue Sachen mit den Kindern ausprobieren können. So machten Olina und ich bunten Salzteig für die Kinder (mit dem sie echt kreativ wurden und so tolle Sachen, wie Askari (Polizisten), Chapatis (Pfannkuchen) und Giraffen kneteten), ließen die Kinder Handabdrücke auf ein großes Papier machen und malten Fische vor, die die Kinder bunt ausmalten und dann ausschnitten, was die Kinder echt gut machten. Dass Olina und ich uns bei der Arbeit auch so kreativ ausleben können, bereitet uns total viel Freude! :-)

Neben dem Chekechea-Unterricht findet auch noch anderer „Unterricht“ statt. Olina bringt mir immer wieder ein paar neue Stücke auf der Gitarre bei, was mir total viel Freude bereitet, denn das Klavier-Spielen vermisse ich doch schon etwas und da ist das Gitarre-Spielen ein schöner Ausgleich. Im Gegenzug habe ich Olina ein bisschen Musiktheorie beigebracht. Philimino, unserem Fahrer, bringen wir ein bisschen Deutsch bei. Die Freiwilligen vor uns hatten schon angefangen, ihm etwas beizubringen, und jetzt hat er uns gebeten, ihm weiter etwas zu zeigen. Das machten wir natürlich total gerne und dabei wurde mir wieder einmal bewusst, wie komplizieret Deutsch ist mit den ganzen Endungen, Zeiten, der Aussprache und den Artikeln. Da muss sich der arme Philimino ganz schön durchkämpfen, aber er macht das toll! Und was ich am meisten bewundere: Er hat sich kein einziges Mal beschwert!

Auch Joyce bringen wir abends in kleinen Sing- und Gitarrenstunden englische Lieder bei, die man in Deutschland so kennt. Darum hat uns Joyce gebeten, als Olina und ich mal eins der Lieder sangen. Diese abendlichen Runden ins Joyces kleinem aber gemütlichen Zimmer sind immer super toll! Wir singen zusammen, Joyce hat uns auch schon so wunderschöne tansanische Lieder beigebracht, und wenn wir zu müde sind, um weiter Gitarre zu spielen, erzählen wir uns von unseren Erlebnissen und lachen zusammen über kleine Versprecher und andere lustige Geschichten. Manchmal ist auch noch eine andere junge Frau dabei und ein Kumpel von Joyce und dann wird es eine richtig kleine abendliche Tratsch-, Klatsch- und Lachrunde. In solchen Momenten kann ich nur daran denken, wie viel Glück wir doch haben, all das miterleben zu dürfen!

Da Olina ja evangelisch ist und wir mit unseren Brüdern immer in katholische Gottesdienste gehen, fragten wir Joyce und Selina, ob wir mal mit den beiden in einen evangelischen Gottesdienst mitkommen könnten. Sie nahmen uns gerne mit und so begaben wir uns in einen evangelischen Gottesdienst. Der Gottesdienst fing ganz normal an, mit schönen Liedern des Chores, mit gesungenen Versen und Zitaten aus der Bibel. Dann kamen zwei Redner, die nicht zur Gemeinde gehören. Sie redeten insgesamt über zwei Stunden. Es war sehr spannend ihnen beim Reden zuzusehen. Vor allem der Zweite redete voller Mimik und Gestik, mal laut und dann wieder ganz leise. Dadurch verstanden wir leider nicht so viel (denn unser Kiswahili scheiterte da noch etwas), aber es wurde nicht langweilig, ihm zuzusehen. Doch dann wurde die Stimmung auf einmal anders. Leute aus der Gemeinde kamen nach vorne und versammelten sich vor dem Redner. Der Rest der Gemeinde (zu der auch Olina, Joyce, Selina und ich zählten) blieben stehen. Wir wurden aufgefordert, die Hand zu erheben und sangen ein Lied. Die meisten der vorne stehenden Leute weinten und schluchzten. Da fing der Redner an zu schreien. Es dauerte einen Moment, bis Olina und ich begriffen, dass da vorne gerade eine Teufelsaustreibung stattfand. Die Leute wurden angeschrien mit den Worten „Toka shetani!“ (so etwas wie „Geh raus, Teufel!“), sie haben sich gewunden, den Kopf hin und her geworfen, eine Frau brach sogar zusammen und wurde rausgebracht. Olina und ich haben uns in dieser Atmosphäre ziemlich unwohl gefühlt. Für uns war diese Erfahrung, einer Teufelsaustreibung beizuwohnen, eine ganz neue und wir konnten dem persönlich nicht so viel abgewinnen. Dennoch wurde mir in diesem Moment klar wie noch nie zuvor, welchen Glauben ich leben will und sehnte mich nach einem ganz ruhigen Gottesdienst, wie wir ihn sonst gewohnt sind. Und so konnte ich auch in diesem evangelischen Gottesdienst wieder eine neue Erfahrung machen. Der Gottesdienst dauerte insgesamt vier Stunden und danach wurden wir spontan von einem Lehrer, der auch im Gottesdienst war, zu seiner Hochzeit eingeladen, worüber wir uns total freuten!

Natürlich, aber ich denke das brauch ich eigentlich gar nicht extra zu erwähnen, verstehen wir uns auch mit unseren drei lieben Brüdern super! Gerade ist Brother Elia auf ein Seminar gefahren und wir vermissen ihn doch schon etwas. In dem coolen Dreiergespann fehlt einer. Auch in der Küche sind wir immer so gern! Mit Florian ein bisschen zu kochen, mit unserer Ersatzmama Elisianna zu quatschen und ein paar Späßchen zu machen und mit Imma darüber im Spaß zu diskutieren, ob ich nun ein Mtoto (Kind) oder Mzee (Alte) bin, erfreut uns alle immer sehr. :-) Auch Dada Olivia, die Köchin für die Kinder im Chekechea, ist mir ganz arg ans Herz gewachsen. Sie zeigt uns wirklich, wie lieb sie uns hat und wenn sie sagt, dass sie uns so vermissen wird, geht mir das echt nahe, denn sie meint das aus tiefstem Herzen. Und vor allem werde ich sie mit ihrer klaren, aber liebevollen Art genau so sehr vermissen.

Ich könnte euch noch so viel erzählen, aber jetzt ist der Blogeintrag ja schon so unglaublich lang geworden. Ihr habt euch aber gut geschlagen, wenn ihr bis hier gekommen seid. ;-) Es ist einfach so unglaublich viel passiert und jetzt sind es einfach nur noch ein paar Wochen, die uns hier in Tansania bleiben. Wir werden noch einmal an die Küste in den Urlaub fahren und bei der Gelegenheit auch gleich Brüder unseres Ordens besuchen, die weiter im Landesinneren leben. Nächste Woche werden wir noch meinen Geburtstag ein bisschen feiern und am Wochenende gehen wir auf die Hochzeit des Lehrers (Joyces Kommentar dazu: „Dann seht ihr endlich mal eine richtige tansanische Feier!“ :-) )

Ich spüre den Abschied immer näher rücken, kann ihn mir aber noch gar nicht vorstellen. Wie wird der Abschied, wie werden die letzten Wochen in Tansania. Es sind zwar noch sieben, aber auch die werden so schnell vorbeigehen, dass ich praktisch morgen schon im Flugzeug nach Deutschland sitze. Wie wird das Ankommen in Deutschland sein? Was werde ich danach machen? All das sind Fragen, die in meinem Kopf rumschwirren. Aber von den Tansaniern habe ich gelernt, in dem Moment hier und jetzt zu leben und das werde ich tun! Jeden Moment genießen, mit den Menschen zusammen sein und noch einmal richtig hier sein!

Wir haben eine Leichtigkeit in unserem Handeln und Denken und unserem Leben hier. Das spüren Olina und ich beide sehr stark in uns. Man kann mehr lachen, offener den Menschen gegenüber sein und alles viel intensiver aufnehmen. Ich will auch am liebsten nur ganz wenig am Wochenende im Zimmer zu sein, sondern immer etwas erleben und unter den Menschen sein. Und ich kann mir vorstellen, dass das alles nicht so wäre, wenn der Abschied nicht näher rücken würde. Alles hat – wie wir ja wissen -  immer gute und schlechte Seiten. So freue ich mich total, alle meine Lieben, meine Familie und meine Freunde wiederzusehen und alle wieder in die Arme schließen zu können. Wobei mir aber der Abschied von den Wairaq sehr, sehr schwer fallen wird!

Ich denke, dass ich mich das nächste Mal erst wieder aus Deutschland melden kann, denn die letzten Wochen hier nach unserem Urlaub, der ja auch schon in gut einer Woche ist, werden wir noch zum Packen, mit den Menschen zusammen sein und zum Abschied nehmen brauchen. Wenn ich einen ruhigen Moment finde, dann lade ich auch vorher noch mal einen Blog hoch, aber wenn nicht, dann werde ich in Deutschland noch einmal ganz viel erzählen. :-) Ich hoffe, ihr versteht das und nehmt es mir nicht übel.

Ich wünsche euch alles Liebe und ganz viele schöne Frühlings- und Sommertage! (Hier ist es so kalt! :-D ) Und ich danke euch schon jetzt einmal sehr, sehr für all die Unterstützung, die ihr mir in den letzten Monaten durch all eure tollen und lieben und wunderbaren Taten gegeben habt. DANKE!

Eure Anna :-)

 

  

 

 

16April
2016

Zwischen Ankommen und Wegfahren

Hallo ihr Lieben,

in der letzten Zeit ist so viel passiert. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, zu erzählen. Es ging von Geburtstagsfeiern über Ostern, Stadtausflüge und viele Besuche bis hin zu einer neuen Chekechea-Wand und anderen Haaren… :-D Aber alles der Reihe nach.

Am 12. März hatte Olina Geburtstag. Wir sind dafür schon am 11. März nach Arusha gefahren, um in unserem Lieblingshostel in ihren Geburtstag reinzufeiern. Der Ausflug in die große Stadt war eine wunderbare Abwechslung zu dem etwas abgeschiedenen Farmleben hier bei uns. Am Abend gingen wir erstmal Käse und Körnertoastbrot kaufen, was wir schon seit sechs Monaten nicht mehr gegessen hatten. Das hat vielleicht gut geschmeckt (und war für Olina fast schon Geburtstagsgeschenk genug :-D ). Wir beide saßen noch bis lange in die Nacht über den Dächern von Arusha im Hostel und feierten Olinas Geburtstag. Es war wunderschön! Am nächsten Morgen sind wir wieder zurück zur Farm gefahren, denn am Abend gab es ein richtig leckeres Geburtstagsessen mit Chipsi (die sind so ähnlich wie Pommes), Salat, 2 Sorten an Fleisch, Gemüse und Pilau (das ist Reis mit speziellen Gewürzen, Fleisch und Gemüse). Das leckere Essen gab es natürlich für Olina, aber auch ein bisschen für den Brother Mkuu, also den Chef der Brüder, der genau an diesem Tag auch bei uns zu Besuch war. Also ein doppelt guter Anlass. Es war ein wunderschönes Essen, denn ausnahmsweise durften auch alle aus der Küche mit uns essen und so wurde es eine richtig schöne große Runde mit all den Leuten, die wir hier so lieb gewonnen haben. Ich habe mich wie in einer großen Familie gefühlt. Es wurde ganz viel gelacht, viele kleine Reden gehalten (weil das so bei tansanischen Festen Tradition ist), lecker gegessen und rumgeschäkert. Es herrschte eine wunderbare Stimmung und ich habe mich so wohl gefühlt. Als Olina dann ihren Geburtstagskuchen aufschneiden sollte, haben sich alle vor Lachen nicht mehr eingekriegt. Ich habe nämlich den Auftrag bekommen, ihr dabei zu helfen und wusste gar nicht wie ich das anstellen sollte, weshalb ich mich zur Freude aller Anwesenden ziemlich dumm anstellte. :-D Es war ein wunderschöner Abend. Bis spät in die Nacht saßen wir noch mit Simon und Malte (den beiden Jungs aus Karatu) zusammen und ließen den Abend schön ausklingen. Es war ein wunderschöner Geburtstag für Olina und ich habe mich total für sie gefreut, dass es ein so besonderer Tag war, denn eigentlich werden Geburtstage in Tansania nicht groß gefeiert. Der Tag war darum wahrscheinlich umso schöner, denn wir hatten mit gar nicht viel gerechnet.

Als Olinas Geburtstag vorüber war, war auch Ostern schon gar nicht mehr weit. In der letzten Chekechea-Woche vor den Osterferien haben die Kinder noch einmal kleine Tests geschrieben. Olina und ich haben die Tests fast allein entworfen und dann auch alle korrigiert. Wir kannten das Vorgehen ja schon aus dem Dezember und die Arbeit mit und um die Tests macht uns total viel Spaß. Die Kinder haben auch echt gut abgeschnitten und manche waren wirklich erstaunlich gut. Das hat uns total gefreut! Am letzten Schultag haben Olina und ich aus einem Paket aus Deutschland Seifenblasen hervorgeholt und die Kinder konnten sich vor Freude über diese Seifenblasen gar nicht mehr beruhigen. Sie sind gehüpft, haben versucht die Seifenblasen zu fangen, sind ihnen hinterhergelaufen und haben vor lauter Freude bei jeder neuen Seifenblase geschrien und ihre Hände danach ausgestreckt. Es war so schön, die Kinder so glücklich zu sehen.

Am nächsten Sonntag war schon Palmensonntag, wo wir mit waschechten Palmenwedeln in den Händen dem Pfarrer und den Messdienern eine Gasse bildeten. Es war ein total schöner Gottesdienst und ziemlich genau so, wie auch deutsche Palmensonntags-Gottesdienste. In der ersten Ferienwoche, also der Woche zwischen Palmensonntag und Ostern, haben Olina und ich ganz viel für den Chekechea gemalt, gebastelt, ausgeschnitten, geschrieben und letztendlich alles aufgehängt. Jetzt ist der zweite Klassenraum zwar noch nicht ganz fertig, aber zum größten Teil ist er doch schon ziemlich sehenswert. Darüber freuen wir uns total! So hatten wir eine richtig sinnvolle Aufgabe für die Ferien und hatten selbst dabei noch riesigen Spaß. Gemalt und vorbereitet haben wir oft draußen in dem paradiesischen Garten der Brüder und dabei unserer Lieblingsmusik gehört. Und als die Wand, die wir uns für die Ferien hauptsächlich vorgenommen hatten, dann endlich fertig war, waren wir voller Euphorie und Glücksgefühlen. Jeden Abend sind wir in die Küche gegangen, um dort zu helfen und nebenbei auch ein bisschen mit den Köchen und den Frauen zu plaudern. Es entstanden ganz wunderbare Gespräche. In dieser Woche hatte ich das erste Mal das Gefühl, wirklich angekommen zu sein und irgendwie auch bei dem Leben und den Menschen hier dabei zu sein. Dieses Gefühl war total beflügelnd und wurde auch dadurch verstärkt, dass ich am Vormittag des Karfreitags Angela zu Hause besuchen gegangen bin. Angela ist eines der Hausmädchen der Brüder. Wir müssen von der Caritas aus ein Jugendporträt erstellen und dazu einen Jugendlichen in unserer Umgebung interviewen. So durfte ich bei Angela zu Hause sein, ihre Familie kennenlernen, ihr Haus und die Felder der Familie sehen. Ich habe mich so wohl gefühlt bei ihr. Es war so ein Geschenk, dort den Vormittag zu verbringen. Mit Angela, die genauso alt ist wie ich, habe ich mich wie mit einer Freundin unterhalten und von ihrer Mama wurde ich gleich für Samstag, Ostern und Ostermontag wieder eingeladen. Die Tansanier sind so unglaublich gastfreundlich und sie waren mir gegenüber alle so offen, obwohl sie mich ja eigentlich gar nicht kannten vorher. An den drei Tagen bin ich aber nicht noch einmal hingegangen, denn wir hatten einige Kirchenbesuche vor uns, aber ich werde auf jeden Fall Angelas liebe Familie noch einmal besuchen gehen!

 

Wir vier ganz stolz vor der Chekechea-Wand (links Olina, dann Joyce, dann ich und Selina)

 

An Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag (Osternacht) und Ostersonntag besuchten wir mit unseren Brüdern die Kirche. Ostermontag fiel die Kirche für uns überraschenderweise aus, weil irgendwie keiner der Brüder hingehen wollte oder konnte. Das kam so plötzlich für uns, dass wir gar nicht wussten, was wir mit der auf einmal gewonnenen Zeit anfangen sollten. :-D Wir überlegten schon, einfach für uns zu beten, weil wir uns so darauf eingestellt und trotz der vielen vergangenen Kirchentage auch darauf gefreut hatten. Die anderen Ostertage in der Kirche waren aber sehr schön (trotz der endlosen Hitze, die uns nur so schwitzen ließ). Gründonnerstag wurden 12 Männern die Füße gewaschen, Karfreitag ging die ganze Gemeinde nach vorn, um das Kreuz zu verehren, in der Osternacht war die Kirche genauso schön festlich geschmückt wie auch an Weihnachten und es fing draußen mit einem echten kleinen Osterfeuer an und am Ostersonntag waren so viele Menschen in der Kirche, was es ganz besonders und festlich machte. Es wurden in diesem Gottesdienst auch 54 (!) Menschen getauft. Von kleinen Babys bis hin zu Erwachsenen war jedes Alter dabei. Und eine Trauung fand sogar auch statt. Diese Bilder von den vielen Menschen um den Altar, die mit ihren Eltern und Taufpaten im ganzen Altarraum standen und das Bild der beiden schon etwas älteren Menschen, die sich trauen ließen, werde ich nie vergessen. Es waren ganz besondere Momente.

Auch hier bei uns auf der Farm spürten wir die Osterfreude. An Karfreitag gab es natürlich kein Fleisch. Leider auch keinen Fisch, denn in Karatu gab es gerade ein paar Fälle von Kipindupindu (Cholera), weshalb die Brüder lieber keinen Fisch aus Karatu kaufen wollten, was uns so ehrlich gesagt auch lieber war. :-D Am Karsamstag färbten wir abends mit den beiden Köchen Florian und Imma bunte Ostereier. Wir hatten aus Deutschland Farbe mitgebracht und zeigten nun wie man in Deutschland Eier färbt. Das hat alle ziemlich amüsiert, besonders als wir dann erzählten, dass der Geschichte nach der Osterhase die Eier (die das Huhn gelegt hat) bringt, was ja ehrlich gesagt auch etwas verwirrend ist. :-D Besonders lustig war es aber, als wir gefragt wurden, ob es denn Hühner gäbe, die solch bunte Eier legten und ob man auch sicher nicht grün oder sogar alt wird, wenn man die gefärbten Eier isst. Ach, mit unseren rüder ist es immer so witzig. Wir können alle zusammen so schön lachen. Natürlich auch nicht jeden Tag, aber wenn die Brüder nicht zu kaputt von ihrer Arbeit sind, ist es echt oft richtig lustig!

Gleich am Dienstag nach Ostern sind Olina und ich in den schon lang ersehnten Urlaub nach Arusha gefahren. Natürlich waren wir wieder in unser Lieblingshostel, in dem uns schon die ganzen Angestellten kennen und ganz fröhlich begrüßt haben. Ich glaube viele fragen sich, weshalb man für fünf Tage einfach in eine Stadt fährt, um Urlaub zu machen; allen voran die ganzen Touristen, die nach Arusha eigentlich hauptsachlich kommen, um von da aus Safaris zu starten. Wir beide wollten aber einfach die Atmosphäre der tansanischen Großstadt aufnehmen, durch die Straßen laufen, lecker essen gehen und ein paar Souvenirs und Mitbringsel einkaufen. Wir lieben unsere Farm und alle Leute hier; das ist ja überhaupt gar keine Frage. Nur wir müssen mal dem Prinzip folgen und osha macho begehen, also unsere Augen waschen, wie es Brother Venance immer so schön sagt und einfach mal etwas Anderes sehen. Wir machten also genau das, was wir uns vorgestellt hatten: Wir liefen durch die Stadt, gingen in wunderbare Cafés, guckten uns auch ein paar Denkmäler an, kauften Sachen wie bestickte Flipflops (von denen wir schon ganz langeträumten) oder eine Massai-Shukra (das sind die Tücher, welche die Massai immer tragen und auch viele Tansanier überwerfen, wenn es richtig kalt wird. Und da jetzt gerade endlich die Regenzeit eingesetzt hat, es die meisten Tage ganz grau, regnerisch und kalt ist, kommt der Einkauf der Shukra uns jetzt gerade nur allzu recht.) An manchen Tagen konnten wir ausschlafen und einmal gingen wir ganz wunderbar lecker brunchen mit Feta-Omelett, Schoko-croissants, Cappuccino und Obstsalat mit Honig und Joghurt. Wenn das mal kein mega Urlaub ist… :-D Die anderen Mahlzeiten haben wir auch immer richtig lecker gegessen. Seien es Penne-Nudeln mit Pesto, Burger, Sandwich, oder einfach nur Brot mit FETA! (wir lieben Feta!!), wir haben alles so genossen! Und nach den paar Tagen in Arusha sind wir dann voller neuer Kraft und ganz viel Vorfreude auf unsere Farm wieder zurückgekehrt. Alle wiederzusehen war wie immer wunderschön und man hat sich gleich wieder wie zu Hause gefühlt, so lieb wie wir wieder aufgenommen wurden.

Dann gleich am Montag ging der Kindergarten schon wieder los. Wir freuten uns total, all unsere Kinder wiederzusehen. Es war total erstaunlich, dass echt viele Kinder richtig gut geworden waren über die Ferien. Ein Junge, der immer so Probleme mit dem Alphabet hatte, konnte es auf einmal ohne Stocken lesen. Wir Lehrerinnen sind fast vom Glauben abgefallen. :-D Auch einige andere Kinder, die immer Probleme mit dem Schreiben der Zahlen von 1-50 hatten, haben es richtig gut hinbekommen. Wir waren echt super erfreut und stolz auf unsere Kinder und wissen immer noch nicht, woher dieser plötzliche Wandel gekommen ist. Gleich am Dienstag bekamen wir Besuch von vier anderen Freiwilligen aus unserer Gruppe. Sie arbeiten in ganz verschiedenen Einrichtungen; in einem Krankenhaus, einem Heim für behinderte Kinder, einer Grundschule und einem Waisenheim. Die vier waren für ein paar Tage bei uns und wir verbrachten so lustige Abende. Wir saßen zusammen, spielten mit unseren Brüdern in wirklich sehr lustigen Runden unser Lieblingsspiel UNO (zu aller Belustigung musste ich andauernd mindestens acht Karten ziehen :-D ) und wir feierten mit je einer Flasche Soda unseren Jubiläum von genau einem halben Jahr hier in Tansania, was nämlich am 6. April war. :-) Am Tag danach machten wir einen Ausflug nach Karatu, um allen unsere kleine Stadt hier zu zeigen. Dieser Tag war nämlich ein Feiertag, der Todestag von dem ersten sansibarischen Präsidenten, und so war kein Chekechea und wir konnten ganz entspannt aufbrechen. Karatu ist viel kleiner als Arusha und hat nur eine einzige geteerte große Straße, aber man bekommt alles, was man braucht. Ich finde, dass die staubigen Straßen und die vielen kleinen Läden Karatu so wunderschön machen. Wir gingen durch die Straßen, zeigten unseren Wagenis (Gästen) unseren Schneider und ein paar schöne Läden, wo sich zwei der Mädels auch gleich mit Kitengen eindeckten. Am Freitag kamen unsere Wagenis mit in den Kindergarten und halfen uns beim Unterrichten und Beschäftigen der Kinder. Wir merkten nochmals, wie lieb wir all unsere Kinder haben. :-)

Am Samstag fuhren alle auch schon wieder ab und auf Olina und mich wartete schon das nächste Ereignis: Wir bekamen Rastas! Die wollten wir schon so so lange haben und jetzt endlich hat es geklappt. Wir waren drei Tage damit beschäftigt und bei jedem von uns hat es über neun Stunden gedauert. Die Friseurin kam zu uns und Joyce hat uns ihr Zimmer zum Flechten zur Verfügung gestellt. So konnten wir die ganze Zeit über ganz nah bei den Leuten hier sein. Während man gerade nicht die Haare geflochten bekommen hat, haben wir Joyce beim Kochen, Holz holen, Kinder hüten oder Abwaschen geholfen. Das war wunderschön, irgendwie mitten drin im Leben der Menschen hier zu sein. Und jetzt haben wir endlich Rastas und unsere Köpfe sind voll von kleinen geflochten Zöpfchen! :-) Alle sind so süß zu uns und sagten, wie sehr es ihnen gefällt und unser Baba (Brother Venance) freute sich sehr und sagte, er bekomme für uns jetzt immer mehr Kühe, wenn wir so schöne Rastas haben. (Die Brüder spielen damit immer auf die Massai an, die Kühe für ihre Töchter bekommen, wenn sie sie verheiraten :-D ) Alle sind (genau wie wir natürlich) ganz begeistert von den Rastas und sagen, dass wir jetzt endlich wie richtige Tansanierinnen aussehen.

 

Mit Dada Olivia, die für unsere Kinder im Kindergarten kocht und die so begeistert von unseren Rastas ist. :-)

 

Im Moment genießen wir das Zusammenleben mit den Tansaniern total und wir sind so froh, so viel mit ihnen machen und erleben zu dürfen. Wir haben das Gefühl, richtig angekommen zu sein. Dennoch vergeht die Zeit so schnell und langsam muss man sich mit dem Gedanken schon wieder vertraut machen, auch bald wieder zurück nach Deutschland zu gehen. Es wird gerade schon viel Papierkram für unsere Nachfolger vorbereitet. Alles befindet sich im Fluss, im Kommen und Gehen und das ist für uns gerade ein Thema, das uns beschäftigt. Dennoch genießen wir jede Minute, die uns hier bleibt und sind so froh und dankbar für jeden schönen Moment!

Jetzt habt ihr wieder so viel erfahren über die letzten echt sehr aufregenden Wochen. Ich hoffe, ihr konntet euch ein kleines Bild machen und ein bisschen miterleben, was ich die letzte Zeit erleben durfte.

Ich wünsche euch alles Liebe aus dem fernen Tansania.

Wenu Anna :-)

07März
2016

Halbzeit auf "Unserer kleinen Farm"

Hallo ihr Lieben,

es ist Halbzeit! Ich bin schon über die Hälfte der gesamten Zeit hier in Tansania! Total unvorstellbar, wie schnell die Zeit doch vergangen ist.

Mit der Halbzeit ging auch das Zwischenseminar einher. Wir haben also die lange Busreise von über 13 Stunden in Kauf genommen, um uns an die Küste von Tansania – nach Dar es Salaam – zu begeben. Dar es Salaam ist hier die Hauptstadt der Herzen, wie es uns immer vorkommt. Es ist total heiß dort und gar nicht zu vergleichen mit dem für tansanische Verhältnisse echt kühlen Temperaturen auf unserer Farm am Ngorongoro Krater. Zum Glück weht aber in Dar es Salaam eine frische Brise vom Meer aus.

Am Montagabend trafen wir uns in einem überaus luxuriösen Seminarhaus (es gab Ventilatoren, Klopapierhalter, Moskitonetze ohne Löcher und richtig schön fließendes Wasser aus der Leitung :-) ). Es war so so schön, alle aus unserer Gruppe wiederzusehen. Wir konnten es gar nicht glauben, wie schnell wir uns doch jetzt alle schon wieder gesehen haben nach unseren ersten fünf Monaten hier in Tansania. In dem Bus, der uns zum Seminarhaus fuhr, war es so laut und voller Stimmen und Erzählungen, dass man sein eigenes Wort kaum verstehen konnte. Es gab so viel zu berichten und zu erzählen und zu freuen.

Auf dem Seminar erzählten wir aber nicht nur von unseren Erfahrungen, Erlebnissen und Fettnäpfchen, in die wir traten, sondern wir arbeiteten auch an verschiedenen Themen. In Kleingruppen beschäftigten wir uns mit der Politik, der Gesundheit, der Bildung und mit Frauen und Kindern und hielten anschließend Vorträge darüber. Ich war in der Gruppe zur Bildung, denn durch die Arbeit im Kindergarten konnte ich gut auch meine eigenen Erfahrungen mit einbringen. Wir berichteten bei unserem Vortrag über die Lehrmethoden und Lehrpläne in tansanischen Kindergärten, Grundschulen und Secondary Schools. Immer wieder vorkommende Aspekte sind vor allem viel Auswendiglernen, im Chor sprechen und dadurch für viele Sachverhalte kein richtiges Verständnis zu haben. Das fiel uns leider immer wieder auf. Aber es soll viel getan werden am Bildungswesen. In Planung stehen zum Beispiel mehr Investitionen in gute Ausbildungen für Lehrer und in bessere Grundbedingungen in Schulen wie z.B. Strom, ausreichend Bücher und gute sanitäre Anlagen. Auch die anderen Vorträge der Gruppen waren total interessant. Sehr nachdenklich hat mich der Vortrag über die Stellung der Frauen und Kinder gestimmt. Es gibt immer noch Fälle von Genitalverstümmelung bei Mädchen und auch Zwangsverheiratungen und Prostitution von Mädchen, die damit ihren Familien helfen wollen, kommen immer noch vor. Wenn man hier so in einem Land lebt, wie wir es gerade in Tansania tun, mit den Menschen zusammen lebt, ihre Lebensfreude und Offenheit spürt und irgendwie langsam ein Teil des Landes wird, dann ist es für mich echt nicht leicht vorstellbar, dass es auch noch schwierige Themen wie diese gibt, die es zu überwinden gilt.

Am Freitag haben wir die Universität in Dar es Salaam besucht. Wir hörten einen Vortrag über Kiswahili als Sprache. Es war echt interessant zu erfahren, wie sich Kiswahili im Laufe der Jahre durch Arabisch, Bantu-Sprachen und koloniale Sprachen (vor allem Englisch und auch ein ganz kleines bisschen Deutsch) zu dem entwickelt hat, was es heute ist. Danach entfachte sich zwischen uns und dem Professor eine lebhafte Diskussion (die auch zurzeit in ganz Tansania geführt wird), ob Englisch oder Kiswahili als Unterrichtssprache in Grund- und Secondary-Schulen festgelegt werden soll. Ein schwieriges Thema. Im Anschluss konnten wir uns die Uni ansehen und die Studenten nahmen uns nett und gastfreundlich und voller Interesse auf. Es war für Olina und mich ziemlich speziell, so viele junge und modern gekleidete Menschen in einer großen tansanischen Universität zu sehen. Wo wir doch hier mitten auf dem Land leben, wo die Menschen noch sehr traditionell gekleidet sind und es mit dem Auto eine halbe Stunde über eine unglaublich huckelige Straße bis in die nächste Stadt ist. Aber der Kontrast dieses irgendwie ganz anderen Tansanias war total spannend zu beobachten.

Am Samstag sind wir zusammen an den Strand gefahren. Wir durften den ganzen Tag in der tansanischen Sonne liegen, uns den Wind um die Nase wehen lassen und die salzige Luft schmecken, wir badeten in dem angenehm warmen Ozean und liefen am Strand entlang. Es war ein wunderschöner Tag, den wir alle sehr genossen haben. Fast alle bekamen einen Sonnenbrand, denn die Sonne ist einfach unglaublich stark hier! Und wir stellten fest, dass es auch im Indischen Ozean Ebbe und Flut gibt, was wir ziemlich beeindruckend fanden.

Am letzten Abend saßen wir, wie auch die ganzen vergangenen Abende, zusammen und genossen die Zeit in der Gruppe. Es war nämlich echt total schön, etwas zu erzählen oder erzählt zu bekommen, denn alle anderen wussten immer gleich, wovon man redet. :-D Auch unsere Freizeit nutzen wir immer total schön: Wir gingen ein bisschen durch den Vorort von Dar es Salaam spazieren, einmal kauften wir Kokosnüsse, Mangos und Bananen und ein anderes Mal legten wir einen Fußmarsch hin, um an den Strand zu kommen, damit wir uns nach einer Kleingruppen-Phase eine Stunde am Strand zu entspannen konnten. All das war total schön und wir haben echt so Glück mit unserer super tollen Gruppe! :-)

Als wir am Sonntag zurückfuhren, waren wir alle etwas traurig. Und der Gedanke, dass wir uns das nächste Mal alle zusammen wieder treffen würden, wenn es schon wieder zurück nach Deutschland ging, war etwas beängstigend. :-D Trotzdem war die Rückkehr in unsere Einsatzstellen sehr schön. Unsere Brüder freuten sich total, als wir wiederkamen und nahmen uns ganz herzlich in die Arme. Auch wir freuten uns natürlich sehr, wieder hier zu sein. :-)

 

Die ganze Gruppe auf dem Zwischenseminar; die meisten mit ihrem Sonntagsoutfit. :-)

 

In der Woche nach dem Zwischenseminar war ein Bruder bei uns auf der Farm zu Besuch. Br. Daniel hat lange Zeit auf unserer Farm gelebt und sie mit auf- und umgebaut. Er hat sich ganz viel mit der Farm und deren Geschichte und den Nachkommen der ehemaligen Besitzer auseinandergesetzt. Da er so gut über die ganze Geschichte unserer Farm Bescheid weiß, haben Olina und ich ihn ein bisschen befragt und er hat uns ganz viele tolle Geschichten erzählt. Die Farm wurde von einer deutschen Familie gegründet, das Wohnhaus wurde gebaut und die Kaffeebäume gepflanzt. Durch den ersten Weltkrieg ging die Farm dann an eine neuseeländische Familie und später wurde sie dann an Italiener verkauft, weil die Neuseeländer zurück in ihre Heimat wollten. Der italienische Manager war, wie Br. Daniel und schilderte, aber nicht sehr freundlich und er war zusätzlich der Aufgabe dieser Farm nicht gewachsen, weshalb er sie dann ziemlich schnell an die Kirche verkaufte. Und so zogen dann im Jahre 1978 Brüder des Scim-Ordens hier ein. Ja, und jetzt leben hier unsere drei Brüder, Br. Venance, Br. Elia und Br. Aldo. Und zurzeit natürlich auch wir beide als Freiwillige. ;-)

Mittlerweile ist die Farm total groß, soweit wir wissen sind es 997 Äcker (aber keine Garantie darauf :-D Ganz sicher aber ziemlich ziemlich groß!). Es werden Weizen, Mais und natürlich der Stolz der Farm – der Kaffee – angebaut. Außerdem gibt es ungefähr eine dreiviertel Stunde Fußmarsch von dem Wohnhaus der Brüder entfernt ein kleines Dorf mit ein paar Familien, wo die ganzen Tiere der Farm untergebracht sind. Es gibt mehrere Kuhställe, einen Schweinestall, einen Schafstall, einen großen Raum mit ganz vielen Ziegen, richtig viele freilaufende Hühner, einige Bienenkästen in den Bäumen hängend und dort in diesem Dorf ist auch eine ganz große Lagerhalle mit dem Weizen und Mais, welche in großen Säcken verpackt lagern. Br. Venance war ganz stolz, als er uns dies alles zeigte, was wahrlich berechtigt ist. Bei uns direkt neben dem Wohnhaus der Brüder ist die Kaffeefabrik, wo der Kaffee gewaschen, getrocknet und auch gelagert wird, bis er weiterverkauft wird. Unsere Farm ist also fast ein Selbstversorger-Hof. Es gibt Fleisch jeglicher Art, Honig von den Bienen, jeden Tag wird frische Milch gebracht, es gibt Brot aus dem Weizenmehl und Kohl, Paprika, Auberginen, Karotten, Zwiebeln, Papaya, Bananen und Orangen aus dem großen Garten. Und natürlich gibt es jeden Morgen frischen starken Kaffee auf dem Frühstückstisch. :-)

Alle Menschen, die hier über die ganzen Felder der Farm verteilt ihre Lehmhütten haben, arbeiten auf den Feldern der Farm, sind als Wachmänner (Akos) beschäftigt oder arbeiten im Haus der Brüder als Fundi (Handwerker), Koch oder Hausmädchen. Die Brüder sind sozusagen der Arbeitgeber aller Menschen, die hier bei uns auf den Feldern leben. Die Brüder selbst arbeiten auch sehr viel, sie überprüfen die Felder, machen Touren nach Arusha um Pflanzenschutzmittel und Dünger zu kaufen, müssen zu Farmer-Treffen, die ganzen organisatorischen Sachen erledigen, sich um die Gäste kümmern und irgendwie die ganze Farm im Blick behalten. Hapa kazi tu! („Hier wird nur gearbeitet!“, das ist der Wahlspruch von Magufuli dem neuen Präsidenten und wird immer mal wieder sehr gerne gesagt, wenn es viel Arbeit gibt und alle ganz fleißig arbeiten und das tun die Tansanier ohne Ausnahme! :-) )

 

Ein Blick auf die Felder und Hütten unserer Farm

 

Olina und ich unterrichten weiterhin immer im Chekechea (Kindergarten). Zurzeit haben wir auch wieder total viel mit der Gestaltung des neuen Klassenraumes zu tun. Letztes Wochenende haben wir das Alphabet an die Wand gemalt, dieses Wochenende die Zahlen von 1-50 und wir zeichnen ganz viele Plakate und irgendwelche Eselsbrücken, damit die Kinder gut lernen können. Es ist nicht immer unanstrengend, die Kinder zu unterrichten, aber wir haben alle wirklich schon liebgewonnen und es macht uns total Spaß, mit den Kindern zu arbeiten. Wir merken wie wir darin richtig aufgehen und uns immer neue Ideen einfallen.

Am letzten Mittwoch haben wir Halbzeit gefeiert. Es ist doch schon ziemlich aufregend, was alles in den letzten fünf Monaten passiert ist und was wohl noch alles auf uns zukommen wird. Wenn man mal so darüber nachdenkt, wird einem erst bewusst, wie viele Sachen doch schon ganz normal geworden sind, die man am Anfang noch als neu oder anders empfand. Die Armut zum Beispiel und der oft leider dreckige Zustand der Kinder machte uns zu Beginn zu schaffen. Aber jetzt kennen wir die Kinder schon so gut, sehen sofort, wenn sie besser waren als am Tag zuvor, erkennen sie sogar von hinten (wo ich immer dachte, alle dunkelfarbigen Menschen sehen irgendwie gleich aus, was aber so was von nicht der Fall ist! :-D ) und können einfach total ihr Inneres schätzen. Auch sind wir viel entspannter, wenn irgendwas nicht nach Plan läuft. Sich dann zu stressen oder den Kopf in den Sand zu stecken bringt ja doch eh nichts. Diese Einstellung der Tansanier, dass die Zeit nicht bewertet wird und dass keine Zeit als verschwendet angesehen wird, finde ich ganz besonders. Wenn man mal warten muss, nutzt man die Zeit für ein kleines Pläuschchen oder packt kurz mit an. Auch wenn man zu spät kommt, nimmt einem das keiner übel. Diese Gelassenheit und innere Ruhe finde ich richtig schön hier und das versuchen wir auch immer mehr aufzunehmen. Na ja und dann gibt es auch einige eher banale Dinge. Ich hätte vorher immer gedacht, die Frauen tragen ihre Haare offen und wuschelig vom Kopf abstehend. Aber das ist überhaupt nicht so! Das mögen die Frauen gar nicht. Sie haben sie sowieso relativ kurz und dann immer am Kopf entlang geflochten, unter ein Kopftuch gesteckt oder im Nacken zusammengebunden. Auch Olina und ich haben uns letzte Woche dazu entschlossen, uns unsere Haare zu schneiden, denn lange Haare sind hier echt ziemlich ungewöhnlich. Und der neue Haarschnitt ist gar nicht so schlecht geworden. Auch dass wir schon manchmal auf Kiswahili denken, was für uns vor 5 Monaten aber sowas von unvorstellbar gewesen wäre, ist ganz schön überraschend manchmal. Oder wir müssen selbst ein bisschen lachen, wenn wir bei 32 Grad Celsius mit Pullover, Leggins unter dem Rock und Socken rumlaufen, weil es uns sonst nicht angenehm warm ist. :-D All diese Kleinigkeiten sind schon lustig bei sich oder in der Umgebung festzustellen. Ich bin echt gespannt, was noch in den nächsten fünf Monaten passiert. Olina und ich haben uns zumindest einmal überlegt, was wir noch alles machen wollen und auf keinen Fall vergessen dürfen. Wir wollen unbedingt ein paar Einladungen mal annehmen und Leute besuchen und auch einen Urlaub an der Küste ist schon in Planung. Wird also ganz bestimmt nie langweilig bei uns!

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen was von meinem Leben hier auf Unserer kleinen Farm und von unserer Halbzeitstimmung berichten.

Ich sende euch liebste Grüße aus Tansania.

Wenu Anna :-)

Mit Elifrida, Editruda und Lili im Chekechea :-)  

06Februar
2016

Glückskinder

Hallo ihr Lieben,

ich mag euch mal wieder ein bisschen von meinem tansanischen Leben erzählen. Die letzten drei Wochen waren hauptsächlich geprägt von Kindergarten-Erlebnissen – von lustigen, anstrengenden, schönen, erfolgreichen und besonderen.

Fünf Tage die Woche unterrichten wir jetzt die insgesamt 68 Kinder, die seit dem neuen Jahr in unserem Kindergarten sind.  Nur 24 davon sind in der Nachmittagsgruppe (also bei den Älteren) und die anderen 44 jüngeren Kinder kommen vormittags. 44 Vier- bis Fünfjährige zu unterrichten und ihnen die Vokale und Zahlen beibringen zu wollen, gestaltet sich als ziemlich schwierig. So kamen wir auf die Idee, die Vormittagsgruppe in zwei Klassen aufzuteilen. Das hat drei wunderbare Vorteile.

Erstmal macht das Unterrichten jetzt viel mehr Spaß. Die kleineren Gruppen sind einfach viel übersichtlicher und man kann jedem Kind individuell helfen und ihm auch 10 Mal zeigen, wie man ein kleines e schreibt und erklären, dass das nicht dasselbe wie eine 6 ist. Aber man hat als Lehrer einfach auch mehr Kapazität dazu, wenn man nicht währenddessen drei anderen Kinder sagen muss, dass sie doch bitte keinen Quatsch machen sollen. Das entspannt die ganze Lernsituation wirklich total.

Außerdem können Olina und ich durch die Aufteilung der Klasse jetzt öfter unterrichten. Vorher haben wir uns manchmal etwas überflüssig gefühlt, wenn wir vier Lehrerinnen in einem Raum saßen und nur eine unterrichtet hat. Jetzt teilen wir uns aber immer auf die beiden Klassen auf und so haben wir mehr Arbeit und immer was zu tun. :-)

Der letzte und richtig coole Vorteil ist, dass Olina und ich jetzt die Ehre haben, den neuen Klassenraum zu gestalten. Der war vorher nur ein leer stehender Raum und wurde selten für Dorfversammlungen oder vor Weihnachten auch für Gebetsstunden benutzt. Ursprünglich war er aber für den Kindergarten bestimmt und jetzt dürfen wir ihn kindergartengerecht gestalten. Das freut mich und Olina so sehr. Wir beide lieben Arbeiten wie diese, wo man einfach kreativ werden kann und etwas neugestaltet. Und als positiven Nebeneffekt hilft es auch noch den Kindern beim Lernen, wenn die Lerninhalte anschaulicher dargestellt sind. Wir gestalteten jetzt also Schilder mit den Zahlen von 1 bis 10 und malten jeweils dazu die Anzahl der Sachen, die diese Zahl beschriebt. Etwas einfacher ausgedrückt haben wir zu der 1 eine Katze gemalt, zu der 2 zwei Schmetterlinge und so weiter bis zur 10, welche zehn Eier (die gehen so leicht zu malen :-D ) bekommen hat. Auch die irabu (Vokale) haben wir schon ausgeschnitten, ganz bunt angemalt und an die Wand geklebt. Die nächsten Wochen wollen wir für den neuen Klassenraum noch Bilder malen, die beschreiben wie die Zahlen aussehen, also z.B. die 4, die wie ein Stuhl aussieht oder die 8, welche von der Form her einer Biene ähnelt. Und an ein paar der kommenden Wochenenden dürfen wir sogar das Alphabet und die Zahlen von 1-50 (oder von 1-100, das ist noch etwas ungeklärt) an die Wand pinseln. Rote und blaue Farbe hat uns unser Bruder schon besorgt. Auf das Malen an der Wand freuen wir uns ganz besonders.

Vielleicht merkt ihr es: Wir sind super glücklich über die Klassenteilung und alles, was diese Teilung Schönes mit sich bringt. Wir sprudeln nur so vor neuen Ideen und wir sind voller Tatendrang. Vor allem aber freuen wir uns darüber, dass wir einen ganzen Klassenraum gestalten dürfen und so echt eine sinnvolle Aufgabe haben und wobei wir auch das Gefühl haben, wir hinterlassen hier in Tansania etwas, was lange Bestand haben wird. :-)

 

Unsere Kleinsten bei e-Schreib-Übungen auf dem Boden – der Platz im neuen Klassenraum wird bestens genutzt.

 

Mir tut es auch sehr gut, dass wir jetzt festgelegt haben, wer welches Fach unterrichtet. So eine Regelung ist zwar eher deutsch als tansanisch, aber auch für Joyce und Selina ist das (genau wie für uns beide) einfach entspannter, wenn man weiß, wann man sich auf den Unterricht vorbereiten muss und wann man unterrichten muss. Ein wenig geregelter Ablauf tut da schon gut. :-)

Auch mit dem neuen Lehrergespann, bestehend aus Selina, Joyce, Olina und mir, klappt die Zusammenarbeit und das Unterrichten sehr gut. Es ist zwar ganz anders als es mit Leokadia war und manchmal vermissen wir Leokadia und ihre sehr fröhliche und aufgeschlossene Art sehr. Aber auch mit Selina ist es lustig und vor allem hat sie auch ein paar neue Methoden mit in den Kindergarten gebracht und sie ist super motiviert beim Unterrichten. Und das ist echt schön zu sehen.

Da Olina und ich jetzt aber noch einmal ganz anders in den Kindergarten-Alltag integriert sind, haben wir auch mehr Verantwortung für die Kinder und dafür, dass sie auch etwas lernen. Und das erfordert echt Geduld! Wir beide lieben unserer Kinder sehr! Dennoch bringen uns die Kinder auch mal an die Grenzen unserer Nerven. Man hat manchmal das Gefühl, alles was man die letzten Stunden erklärt hat, vergessen die Kinder über Nacht. Und wenn man sich den Mund fusselig redet mit den Worten zunguka na mstari, was so viel heißt wie zeichne eine Kurve und dann einen Strich (das soll eine „2“ werden), und dabei die entsprechende 2 Mal für Mal zeichnet, es aber trotzdem alles nichts zu bringen scheint, dann kann das echt schon mal etwas frustrierend sein. Aber auch, wenn es manchmal nicht leicht ist und viel Zeit, Geduld und langen Atem erfordert, haben wir trotzdem das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Denn: Was lange währt wird ja bekanntlich gut! ;-) Und am schönsten ist es dann, wenn ein Kind zu mir kommt und mir zeigt, wie es die 2 geschrieben hat und sie richtig herum und noch dazu super ordentlich geschrieben wurde. Und dann nach einem dicken Lob in ein strahlendes und richtig stolzes Kindergesicht zu schauen, ist wunderschön! Da merkt man doch, dass sich die ganze Mühe bezahlt gemacht hat.

Jetzt wollte ich euch mal das beliebteste Mathe-Lied der Kinder vorstellen. Es heißt Naweza kuhesabu namba (übersetzt heißt das: Ich kann zählen)

Naweza kuhesabu namba.

Moja, mbili, tatu,

Nne, tano, sita, saba,

Nane, tisa, kumi.

Vidole ya mikono yangu

Jumla yake kumi.

Huku tano na huko tano

Jumla yake kumi.

 

Und übersetzt ins Deutsche bedeutet das ungefähr:

Ich kann zählen.

Eins, zwei, drei,

Vier, fünf, sechs, sieben,

Acht, neun, zehn.

Die Finger an meinen Händen

Ergeben zusammen zehn.

An dieser fünf und an dieser fünf,

Ergibt zusammen zehn.

 

Ich finde das Lied so goldig und die Kinder sind auch immer voller Elan beim Singen und Zeigen der Zahlen dabei. :-)

 

Und wenn sie nicht voller Elan singen, rennen sie ein paar Runden über den Rasen.

 

Der Kindergarten nimmt also gerade viel Platz in unserem Leben ein, worüber wir aber trotz vieler Arbeit sehr glücklich und dankbar sind. Dennoch erleben wir auch in unserer Freizeit viele echt schöne Dinge. Vor zwei Wochen waren wir z.B. mit Joyce auf ihrem Feld mahindi (Mais) pflanzen. Das ist jetzt nicht gerade die abwechslungsreichste Arbeit, aber es war wunderbar, einfach mal Teil des Alltags der Menschen hier zu werden. Denn für die Leute hier auf der Farm ist es ganz normal, nach der täglichen Arbeit auf der Kaffee-Farm der Brüder auf ihren eigenen kleinen Feldern zu arbeiten und die wichtigsten Nahrungsmittel wie Bohnen, Mais oder eine Art Spinat anzupflanzen. Wir durften auch mit einem panga (das ist eine Art Machete) einen kleinen Baum durchschlagen (ja, im wahrsten Sinne des Wortes), um ihn dann Joyce als Brennholz für das Kochen des Abendessens mitzugeben. Das war nicht leicht, aber hat total viel Spaß gemacht und wir haben es tatsächlich geschafft.

Letztes Wochenende waren Simon und Malte bei uns zu Besuch. Sie sind ja auch Freiwillige aus unserer Gruppe und arbeiten im nächsten Ort Karatu. Sie wollten uns schon lange mal besuchen und jetzt waren sie mal für ein paar Tage hier und wir konnten ihnen (echt ein bisschen stolz) den Kindergarten, die Farm und die Kaffeeplantagen zeigen und ihnen alle Leute hier um uns herum vorstellen. Wir merkten, wie sehr wir uns schon mit der ganzen Farm identifizieren. Das war ein echt schönes und sehr heimisches Gefühl.

Auch ist schon in einer (!) Woche das Zwischenseminar in Dar-es-salaam. Irgendwie war das immer noch so lange hin und jetzt ist es tatsächlich nur noch eine Woche! Ist doch verrückt. Und mit dem Zwischenseminar ist auch schon die Halbzeit erreicht. Wir freuen uns schon total, mal wieder mit unserer ganzen Gruppe zusammen zu sein und von allen ein bisschen was zu hören. Wir sind aber auch gespannt, was noch alles in der zweiten Halbzeit auf uns warten wird. Die Zeit ist nur so verflogen und manchmal fragen wir uns, ob wir die Zeit auch gut genutzt haben und was wir wohl noch alles erleben werden.

Ich bin total dankbar für all die tollen Erlebnisse und Glücksmomente, die wir erleben können und die auf jeden Fall gegenüber den wenigen schwierigen Momenten überwiegen. Wir sind glücklich, hier zu sein und haben auch das Gefühl, schon jetzt viel über Menschen, Lebensumstände und auch viel über uns selbst gelernt zu haben.

Ich kann einfach nur sagen, dass wir super viel Glück haben mit allen nur möglichen Aspekten hier – mit den Brüdern, den Kindern, den beiden Lehrerinnen, den ganzen Menschen um uns und einfach unserem ganzen Umfeld, was unser Leben hier so beeinflusst. Richtige Glückskinder eben. ;-)

Ich hoffe, ich konnte euch mal wieder einen kleinen Eindruck von meinem tansanischen Alltag verschaffen. Und ich hoffe, ihr habt euch über meine paar Ausführungen genauso gefreut, wie es mir Spaß gemacht hat, euch von allem zu erzählen. ;-)

Ich sende euch ganz liebe Grüße aus Tansania!

Wenu Anna (Eure Anna ;-) )

 

 

Unsere kleinen Glückskinder, wenn sie so schöne Kunstwerke zustande gebracht haben.

 

 

16Januar
2016

Tansanische Feiertage und eine Reise an den Viktoriasee

Hallo ihr Lieben,

die letzten Wochen waren ganz besondere Wochen. Wir durften ein ziemlich anderes Weihnachten, ein überaus besinnliches Silvester und einen wirklich sehr entspannten Urlaub am Viktoriasee erleben.

Vor Weihnachten hatte ich im Voraus ziemlich Respekt. Es ist doch irgendwie immer noch ein Familienfest. Und dieses so sehr in der Ferne zu feiern, ist keine besonders schöne Vorstellung. Dazu kam auch noch, dass Olina und ich schon wussten, dass Weihnachten hier in Tansania einfach anders gefeiert wird. Und wir haben die Rituale und Traditionen von zu Hause an Weihnachten so gern. Hier beginnt Weihnachten erst mit der Messe in der Nacht auf den 25. Dezember. Nichts mit Bescherung, Krippenspiel, Tannenbaum oder Weihnachtsessen mit der Familie. Da Olina und ich aber nicht auf diese so lieb gewonnenen Rituale verzichten wollten, machten wir kurzerhand eine kleine Bescherung am Nachmittag des 24. Dezembers. So zündeten wir ein paar Kerzen an, packten Weihnachtskekse aus, sangen ein zwei Weihnachtslieder und öffneten dann unsere Weihnachtspakete von zu Hause. Da waren wunderbar nützliche Sachen drin, wie Durchfalltabletten, Cremes, ein paar Klamotten und Zeitungsartikel. Alles, was man halt so gebrauchen kann bei einem Freiwilligendienst in Tansania. :-D Aber auch Schokoladenweihnachtsmänner und Lieblingssüßigkeiten durften natürlich nicht fehlen. Und etwas gewöhnlichere Geschenke wie ein Kalender oder ein Buch haben wir auch bekommen. Es war wirklich eine wunderbare Bescherung und es kam ein richtiges Weihnachtsgefühl bei uns beiden auf. Auch die Messe um 22 Uhr am Abend des 24. war wunderschön! Es war ganz ähnlich wie eine Weihnachtsmesse in Deutschland. Die Kirche war geschmückt mit ganz vielen bunten Fähnchen und Tüchern an den Wänden. Eine große Krippe mit übermäßig vielen Plastikblumen auf dem Dach stand vorne und darin lag eine weiße Puppe. Als Olina und ich zur Kollekte daran vorbeigingen, konnten wir ein kleines Grinsen nicht zurückhalten. Irgendwie war diese Geste der Krippe total süß und ganz anders als wir es gedacht hätten. Es war wirklich ein wunderschöner Gottesdienst. Und was ich so besonders fand, war die Stimmung in der Kirche. Es war so andächtig und gleichzeitig voller Freude. Das fand ich total schön. Nach der Messe wünschten sich alle draußen Heri ya Krismasi!, also den Segen der Weihnacht. Und als dann auf dem Rückweg von der Kirche der Vollmond direkt vor uns am Himmel stand und uns den Weg leuchtete, hatten wir das Gefühlt, dass jetzt tatsächlich und wahrhaftig Heiligabend ist.

Am 25. Dezember – dem eigentlichen Festtag hier in Tansania – passierte dann nicht allzu viel. Mittags gingen wir mit unseren Brüdern noch einmal in die Kirche, abends gab es ein überschaubares Festessen und danach saßen wir noch lange mit den Brüdern zusammen und spielten UNO, was mit unseren Brüdern immer total viel Spaß macht! Am 26. Dezember ist hier der „Boxing-Day“. Da dürfen dann alle ihre Geschenke aufmachen. Olina und ich hatten für die Brüder und die Leute aus der Küche auch zwei ganz kleine Geschenke gemacht. Wir hatten jeweils einen Teller mit von uns gebackenen Keksen vorbereitet und dann noch Kerzen und gebastelte Schneeflocken darauf gelegt. Zudem hatten wir ein paar deutsche Weihnachtslieder aufgeschrieben, damit sie ein bisschen sehen können, wie wir in Deutschland Weihnachten so feiern. Unsere Geschenke bekamen sie aber erst am nächsten Tag, denn wir gingen abends ein weiteres Mal in die Messe. Sie freuten sich aber alle echt total. Tansanier zeigen ihre Freude über Geschenke meist nicht so offen, aber alle haben gestrahlt wie Honigkuchenpferde und das sagte für Olina und mich schon mehr als tausend Worte.

So gingen die Weihnachtstage auch schon wieder total schnell vorüber. Es waren wirklich besondere und einmalige Tage. Es war für mich leider nicht so stimmungsvoll, wie ich vielleicht auch gehofft hatte, denn Glaube spielt in Tansania und ja vor allem hier bei unseren Brüdern natürlich eine große Rolle und ich hätte gedacht, dass Weihnachten größer gefeiert wird. Dennoch war es wirklich total wunderbar, einmal Weihnachten ganz anders zu feiern und ich bin wirklich dankbar für diese Chance.

Zwei Tage später ging es dann auch schon weiter mit dem nächsten aufregenden Ereignis. Olina und ich fuhren mit dem Bus nach Moshi, um dort zwei andere Freiwillige aus unserer Gruppe, Lilian und Rebecca, zu besuchen und mit ihnen zusammen auch Silvester zu feiern. Die beiden arbeiten in einem Waisenheim und wohnen auch bei Schwestern. Als wir mittags dort ankamen, war die Wiedersehensfreude sehr groß. Aber uns blieb nicht viel Zeit zum Quatschen, denn in einem Waisenheim gibt es immer Arbeit. :-D So legten wir gleich nach dem Ankommen los und arbeiteten bis abends durch. Auch die nächsten beiden Tage arbeiteten wir komplett mit. Es war echt sehr anstrengend: Die Kinder müssen angezogen, gefüttert, geduscht, bespielt, getröstet und vor allem ganz viel geknuddelt werden. Zudem ist es in Moshi brütend warm und man kann in der kurzen Mittagspause nichts machen, außer auf dem Bett zu liegen. Die paar Tage Arbeit im Waisenheim waren echt sehr, sehr anstrengend. Olina und ich wissen jetzt wirklich unsere Arbeit im Kindergarten zu schätzen und wir bewundern Lilian und Rebecca, wie sie das jeden Tag aufs Neue schaffen.

Am 31. Dezember hatten wir aber alle samt frei und auch zwei weitere Freiwillige aus unserer Gruppe sind aus Iringa angereist, um dann Silvester mit uns zu feiern. Morgens gingen wir in der Stadt einkaufen. Wir brauchten Obst für einen Obstsalat (der soo lecker geschmeckt hast! Das frische Obst hier ist echt unschlagbar! Es gab Mangos, Orangen, Sternfrucht, Papaya und Bananen), Milch für Schokopudding und Mehl für einen Schoko-Bananen-Kuchen. Man kann erahnen: Wir hatten ein super leckeres Silvester-Essen! Um 23 Uhr sind wir dann alle zusammen mit den Schwestern in die Kirche gegangen. Gerade als es 12 Uhr wurde, war der Pfarrer mitten in der Wandlung. Draußen hörten wir Musik aus einem nahe gelegenen Club und sahen das Feuerwerk durch das Kirchenfenster, während wir kniend in der Kirche dem Pfarrer lauschten. Das war schon ein sehr komischer Zwiespalt in diesem Moment. Das erste, was wir dann im neuen Jahr taten, war das Vater Unser aufzusagen. Dass wir über den Jahreswechsel in einer Kirche sind, war echt für uns alle ein merkwürdiges Gefühl. Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto besonderer fand ich es. So ein Silvester erlebt man wirklich nicht alle Tage. Ich finde vor allem dieses dadurch gesetzte Zeichen, dass man ganz gesegnet ins neue Jahr kommt, irgendwie total schön und besonders!

Mit diesen beiden großen Ereignissen war aber noch nicht genug für Olina, Lilian, Rebeca und mich. Wir sind am 2. Januar ganz früh morgens mit dem Bus zu einer 15-stündigen Busfahrt nach Mwanza aufgebrochen. Mwanza ist die größte Stadt am Viktoriasee. Wir haben uns schon so lange auf diesen Urlaub gefreut, dennoch hatten wir auch sehr großen Respekt davor. So alleine durch Tansania zu reisen und ohne einen wirklich guten Plan zu haben, wo wir übernachten und wie wir dahin kommen und was wir in Mwanza machen wollen, ist das schon ein bisschen aufregend. Aber auch gerade auf diese Spontanität freuten wir vier uns riesig!

Zum Glück klappte aber schon einmal mit der Anreise echt alles richtig gut! Wir sind abends total erschöpft von der langen Busfahrt in Mwanza angekommen. Für Taxifahrer sind vier Weiße, die spät abends ein bisschen unsicher und Hilfe suchend aus dem Bus steigen, ein gefundenes Futter. :-D So wurden wir gleich von unzähligen Taxifahrern umzingelt. Einer von ihnen brachte uns dann zu dem Hostel, was uns die Schwestern aus Moshi empfohlen hatten. Im Hostel angekommen, fanden wir zwei Betten vor, eins für zwei Personen gedacht und das andere für eine. Nun waren wir aber zu viert. Schließlich haben ich und Rebecca zusammen in dem kleineren Bett geschlafen, denn ich als Kleinste von uns vieren musste natürlich auch in das kleine Bett, das versteht sich ja von selbst. :-D Meine Nächte waren dann nicht allzu erholsam, aber was tut man nicht alles für das allgemeine Gruppenwohl. :-D

Wir hatten dann drei Tage, um Mwanza auf eigene Faust zu erkunden. Wir liefen am Wasser entlang und genossen den wunderbaren Ausblick auf den riesigen See. Wir schlenderten durch die Straßen, schauten in kleine afrikanische Läden, kauften Kitenge (das sind die Stoffe, aus denen die Tansanier hier praktisch alles machen, sei es ein Kopftuch, ein Babytragetuch, eine Schürze, einen Rock, ein Kleid oder ein Hemd. Auf die Kitenge kann also niemand hier verzichten, nicht einmal wir als Weiße :-D) und gingen über einen afrikanischen Markt, auf dem von Kopfhörern über Bananen bis hin zu Schuhen alles lautstark angepriesen wurde. Wir folgten den Tipps anderer Freiwilliger und gingen in eine Art Strandbar, in der wir einfach nur den ganzen Tag saßen und uns nicht sattsehen konnten an dem Blick auf den wunderschönen See mit den hügeligen Ufern, die bewaldet und mit Kreidefelsen bestückt sind. Einem weiteren Tipp folgend besuchten wir den Strand eines Hotels und verbrachten dort am Wasser sitzend den ganzen Nachmittag. Wir besuchten auch den angeblich größten Fischmarkt Ostafrikas (obwohl er uns gar nicht so groß vorkam), den Gandhi-Tempel in dem indischen Viertel von Mwanza und schauten uns den Bismarck-Rock an. Das ist ein Stein, der in der Nähe des Hafens von Mwanza ganz weit aus dem Wasser ragt und seine Namensgebung noch aus der Kolonialzeit hat. Leider darf man aber nicht im Viktoriasee baden, denn es gibt neben Bilharziose auch noch viele weitere Krankheiten, die man lieber nicht haben möchte.

 

Mwanza - typisch tansanische Gebäude im Vordergrund und dahinter die Hügel mit den Felsen und vereinzelten Häusern

 

Für zwei Übernachtungen fuhren wir mit dem Schiff auf die „Ukerewe-Island“ im Viktoriasee. Die Insel hat viel weniger Tourismus als Mwanza und ist voll mit ganz vielen Feldern und Wäldern und wunderschönen Stränden. Wir fanden, eher durch Zufall, den einzigen Touristenguide der Insel und er machte eine wunderschöne Radtour mit uns; am See entlang bis zu einem hohen Berg, von wo aus man einen endlos weiten Blick über den See hatte. Dieser Ausblick war echt einmalig! Es war zwar in der tansanischen Mittagssonne nicht die beste Idee eine Radtour über eine bergige Insel zu machen, aber Dank der wunderbaren Natur und dem Blick vom Berg hat es sich echt allemal gelohnt!

Zurück in Mwanza, genossen wir noch den letzten Abend unseres Urlaubs. Wir saßen an einem der Tische vor unserem Hostel, tranken Soda (unsere Lieblingssoda ist Fanta Nanasi also Fanta Ananas) und spielten das Kartenspiel Phase 10. Diese „Soda-Runden“ waren schon den ganzen Urlaub über unser Ritual für jeden Abend. An diesem Abend blickten wir mit ein wenig Wehmut nach vorn, denn wir hatten Mwanza mit seinem afrikanischen, aber irgendwie auch karibischen Flair echt liebgewonnen! Aber dennoch freuten wir uns auch wieder auf unser tansanisches Zu Hause und den gewohnten Alltag. Für den nächsten Morgen hatten wir ein Taxi für 5 Uhr morgens bestellt. Dieses kam auch tatsächlich (und sogar überpünktlich), nur der Bus hatte ganze drei Stunden Verspätung! So kamen wir erst um 9 Uhr morgens los. Aber wir ließen uns die Laune nicht verderben und holten erst einmal den ganzen Schlaf der vergangenen kurzen Nacht nach. In Arusha (der nächst größeren Stadt von unserer Farm aus) kamen wir aber erst so spät an, dass wir nicht mehr bis zu unserer Farm weiterreisen konnten. Also verabschiedeten wir uns im Bus von Lilian und Rebecca, die noch ein Stückchen weiter nach Moshi fuhren, und Olina und ich suchten einen Taxifahrer, der uns in das von uns spontan auf der Busfahrt ausgesuchte Hotel brachte. Zum Glück fanden wir einen vertrauenswürdigen Fahrer, der uns in das einfach gehaltene, aber total schöne Hotel brachte. Unsere Betten kamen uns wie ein riesiges Geschenk nach der langen Reise vor.

Am nächsten Morgen gab es ein super leckeres Frühstück auf der Terrasse des Hotels über den Dächern von Arusha und dann ging es auf zum letzten Abschnitt unserer Rückreise. Wir suchten uns einen Bus nach Karatu. Es lief dann aber auf einen Noah, ein Art Kleinbus hinaus, in welchem wir so eingequetscht waren, dass Olina nur noch meinen Kopf irgendwo zwischen Rucksäcken, Ellenbögen Beinen und Obstkörben sah. Man kann sich gut vorstellen, wie befreiend es war, als wir diese fast dreistündige Fahrt überstanden hatten. Aber das Wiedersehen mit den Brüdern, unseren Köchen und den anderen Arbeitern der Farm machte alles wieder gut. Es war so schön, alle wiederzusehen und es war so ein schönes Gefühl, zu merken, wie sehr auch sie sich freuten, uns zu sehen. Ihre Nimewamissi!-Aussagen (Was bedeutet: Ich habe euch vermisst!) gaben uns echt das Gefühl, wieder in unser so lieb gewonnenes „Zu-Hause-auf-Zeit“ zu kommen. 

Rückblickend kann ich sagen, dass unser Urlaub am Viktoriasee echt ein voller Erfolg war. Es waren wahrscheinlich die vielen verschiedenen Faktoren, die es zu einer wunderbaren Woche machten. Sei es das warme Wetter, die lieben Menschen, die uns immer wieder mit Rat und Tat zu Seite standen, wenn wir mal keine Ahnung hatten wo man den nächsten Taxifahrer findet oder wann man am besten ein Fährticket kauft oder vielleicht war es auch einfach nur das Glück, dass alles so gut geklappt hat. Und wenn mal was nicht ganz nach Plan lief, fanden wir auch zusammen schnell eine Lösung. Und dass wir vier zusammen so viel Spaß hatten und (fast ;-) ) immer einer Meinung waren, machte den Urlaub wunderschön und echt unvergesslich und ich bin so dankbar für diese schöne Zeit!

 

Wir vier - super glücklich über unseren Urlaub am See! (v. l. n. r.: ich, Lilian, Rebecca und Olina)

 

Am Montag fing dann auch schon wieder der Kindergarten an. Leider gleich am ersten Morgan mit einer gar nicht schönen Neuigkeit. Eine der beiden Lehrerinnen, Leokadia, hat mit der Arbeit im Kindergarten aufgehört und ist sogar von unserer Farm weggezogen. Das kam für Olina und mich total überraschend. Wir sind sehr, sehr traurig darüber, denn wir hatten Leokadia echt schon ins Herz geschlossen und richtig lieb gewonnen. Dafür haben wir jetzt aber eine neue Lehrerin, die Selina heißt und auch sehr nett ist. Trotzdem ist es komisch, im Kindergarten ohne Leokadia zu unterrichten. Diese Woche stand aber zunächst für die Kinder nur Ankommen und Spielen auf dem Stundenplan. Denn nach und nach kommen die neuen kleinen Kinder in den Kindergarten und es wird erst einmal geguckt, wer zu den älteren und wer zu den jüngeren Kindern kommt. Olina und ich haben am Mittwoch den Stundenplan für beide Klassen entworfen und zusammen mit Joyce und Selina haben wir eingeteilt, wer von uns vier Lehrerinnen welches Fach unterrichtet. Olina und ich unterrichten hauptsächlich Hisabati (Mathe), English und Sanaa (Kunst), weil wir daran so viel Spaß haben.

Ich bin gespannt, wie die nächsten Wochen im Kindergarten verlaufen; mit unserem neuen Lehrergespann und mit festgelegteren Fächern. Aber ich freue mich total darauf, denn ich merke vor allem jetzt nach den langen Kindergartenferien, wie sehr ich die Arbeit mit den Kindern liebe und wie sehr ich die fröhliche und offene Art der Kinder vermisst habe.

Ich hoffe, ihr konntet jetzt wieder mal einen kleinen Eindruck von meinen letzten Wochen hier in Tansania bekommen. Ich hoffe auch, dass ihr alle ein wunderbares Weihnachtsfest hattet und einen richtig guten Start in neue Jahr! Und jetzt brennt es mir doch echt auf dem Herzen, mich schon einmal ganz lieb für all die so lieben Weihnachts-E-Mails und Weihnachtsbriefe und Weihnachtspäckchen zu bedanken! Ich habe mich riesig über all die lieben und guten Wünsche gefreut!

Ich wünsche euch (ein bisschen verspätet ;-) ) alles, alles Gute und Liebe für das neue Jahr! Auf dass es ein ganz wunderbares wird!

Liebste Grüße aus der Ferne,

Eure Anna

 

24Dezember
2015

Weihnachtszeit im Sommer

Hallo ihr Lieben,

das ist mein neuer Blog. Mein alter Blog auf wordpress lädt so schlecht, weshalb ich diesen neuen Blog eingerichtet habe. Ich hoffe, ihr findet euch zurecht und dieser Blog gefällt euch auch. Diese Verwirrung tut mir echt sehr leid!

Aber jetzt viel Spaß beim Lesen. ;-)

Heute ist schon wieder Weihnachten. Die Zeit vergeht doch rasend schnell. Ich habe einen sehr spannenden Dezember und eine wirklich sehr sommerliche Adventszeit hinter mir. Davon will ich euch gern ein bisschen erzählen.

Am 4. Dezember hat unser Kindergarten zugemacht. Die Weihnachtsferien haben begonnen. In der letzten Schulwoche haben die Kinder im ganzen Land fleißig Tests geschrieben. Sogar bei uns im Kindergarten mussten die Kinder kleine Tests schreiben. Für den Inhalt der Tests haben Olina und ich mit den beiden Lehrerinnen erst einmal Ideen gesammelt, dann haben wir beide die Tests geschrieben und später wurden sie dann kopiert. Die Kinder wurden in allen Fächern geprüft. Wir haben aber unterschiedlich schwere Tests gemacht. Die Kleinen mussten in Mathe zum Beispiel nur Zahlen nachmalen, wohingegen die großen Kinder schon addierten und subtrahierten. In Kiswahili sollten die Kleinen a, e, i, o und u schreiben. Das klappte aber meist noch ziemlich schlecht (für das Alter ja auch total verständlich!). Die Großen haben aber schon ganze Wörter geschrieben und da achteten wir beim Korrigieren auch auf die Einhaltung der Linien. Also wurde von ihnen schon ganz schön viel verlangt, wie wir finden. Olina und ich durften alle Tests der fast 70 Kinder korrigieren. Das hat total viel Spaß gemacht und wir haben uns fast wie richtige Lehrer gefühlt. Und unser „Lehrerherz“ war super glücklich, als wir feststellten, dass viele Kinder richtig gut abgeschnitten haben.

Dann ging es ans „Reporti-Schreiben“. „Reporti“ sind kleine Zeugnisse, die alle Kinder im Kindergarten bekommen haben, denn das „Kindergarten-Halbjahr“ ist mit dem Beginn der Ferien beendet. Olina und ich durften mithilfe der beiden Lehrerinnen all diese Zeugnisse schreiben und sogar unterschreiben. Dagegen wehrten wir uns zunächst noch, weil wir ja nicht die richtigen Lehrerinnen sind, aber die beiden bestanden darauf. So unterschrieben wir die Zeugnisse auch noch, wobei wir uns dann sehr geehrt fühlten.

Mit dem Ende des Halbjahres ging auch unsere Kindergarten-Zeit für das Jahr 2015 zu Ende, denn die Ferien gehen bis zum 11. Januar. Zum Abschluss haben wir den großen Kindern, die jetzt in die erste Klasse kommen, einen Luftballon aus unserem noch aus Deutschland stammenden Vorrat geschenkt. Es war so wunderbar zu sehen, wie sehr sich die Kinder über die Luftballons gefreut haben. Joyce traf es leider und sie musste alle Luftballons aufpusten. Die Kinder waren so stolz auf ihren Luftballon. Wir mussten jeden bestimmt drei Mal bestaunen und von jedem Luftballon mit seinem stolzen Besitzer mehrere Fotos machen. Die Kinder kannten den ganzen Tag lang kein anderes Spiel mehr als das, mit den Luftballons. Die Kinder so strahlend zu sehen, hat mich auch so sehr glücklich gemacht! Es fiel uns schwer, zu wissen, dass wir viele der Kinder nach den Ferien nicht mehr sehen werden. Wir werden sie vermissen.

(Hier sollte eigentlich ein Bild von der Luftballonfreude hin. Leider hat es nach zwei Stunden immer nicht nicht geladen, weshalb es dieses Mal leider keine Bilder gibt. Das tut mir total leid! Stellt euch aber ganz viele kleine süße afrikanische Kinder vor, die alle total glücklich ihre Luftballons zeigen oder voller Anstrengung versuchen aufzupusten. Ein großes Durcheinander der Freude ;-) )

Da ja jetzt keine Arbeit mehr im Kindergarten war, mussten wir uns eine andere Arbeit für diese Zeit suchen. Unser Bruder sagte uns, wir sollen in der Küche arbeiten. Unsere Arbeitszeit dort ist aber sehr schwer definierbar, denn es gibt ja den ganzen Tag über etwas zu tun in der Küche. Uns fiel es zunächst schwer, da herauszuhören, wie viel wir arbeiten sollen und dürfen und was auch für uns noch geht. Irgendwann hatten wir aber den Dreh raus. Wir arbeiteten vormittags und abends kamen wir noch einmal wieder. Ehrlich gesagt haben wir in der eigentlichen „Ferienzeit“ mehr gearbeitet als in der Kindergarten-Zeit. :-D Aber unsere beiden Köche waren sehr dankbar für unsere tatkräftige Unterstützung und wir haben ihnen auch sehr gerne geholfen. Natürlich ist es anstrengend, fast den ganzen Tag in der Küche zu stehen, zu schnippeln, zu kochen und abzuwaschen. Aber die Zusammenarbeit mit den Tansaniern und der Kontakt mit den anderen Menschen, die immer mal in die Küche kommen, um ein Brot zu essen und einen Chai zu trinken (so heißt der Schwarztee hier, der oft mit Kaffee gemischt wird. Eine interessante Mischung, dachten wir, aber es schmeckt echt lecker!), ist total schön. Mittlerweile können Olina und ich schon relativ viel ganz ohne Hilfe kochen. Heute gab es Gemüse, welches aus Tomaten, Paprika und Möhren bestand, Bohnen, und so ein Spinat-Zeug und dazu Ugali und Spaghetti, die nach dem Kochen immer noch einmal in der Pfanne mit Zwiebeln und Tomaten angebraten werden. Sehr lecker!

Vorletztes Wochenende kamen uns vier andere Freiwillige aus unserer Gruppe besuchen. Es war sehr schön, sich mal mit anderen auszutauschen und zu hören, was sie schon erlebt haben, wie ihre Einsatzstelle ist, wie sie leben, wie das Unterrichten bei ihnen ist und in was für Fettnäpfchen sie schon getreten sind. Es gab, wie man sich vorstellen kann, sehr viel zu erzählen. Auch wir fanden es sehr schön, den anderen unser tansanisches zu Hause zu zeigen und sie mit unseren lieben Brüdern bekannt zu machen und ihnen unser tägliches Leben zu zeigen und sie auch mit den Köchen und andern Tansaniern, die hier arbeiten, vorzustellen. Wir merkten, wie wohl wir uns hier fühlen und wie lieb wir alle gewonnen haben. Brother Venance stelle sich den anderen als „Baba Anna na Baba Olina“ vor. Das heißt so viel wie „Der Papa von Anna und Olina“. Das fanden wir eine richtig liebe Geste und drückt auch genau das Gefühl aus, was wir haben: Wir sind wie eine kleine Familie (mit drei Vätern :-D) und die Brüder sorgen sich echt richtig lieb um uns. Als ich einen Sonntagabend Fieber bekam (was ja nicht der günstigste Zeitpunkt für steigendes Fieber ist), rief Brother Venance sofort unsern Fahrer an, damit er mit mir ins Krankenhaus fährt (so etwas wie einen Arzt gibt es hier nämlich nicht, da fährt man einfach ins Krankenhaus). Als der Fahrer ihm aber nicht schnell genug kam, stieg er kurzerhand selbst ins Auto und fuhr uns in einem rasanten Tempo ins Krankenhaus. Zum Glück hatte mein Fieber aber keine allzu bedenkliche Ursache, nur eine bakterielle Infektion, wenn ich es richtig verstanden habe. Und nach ein paar Tagen Ruhe und einer sehr großen Menge an Antibiotikum, ging es mir auch schnell wieder gut. Aber die Tansanier haben sich echt sehr lieb um mich gesorgt und wollten fast noch einmal mit mir ins Krankenhaus fahren, weil ich ihnen nicht schnell genug wieder gesund wurde und alle waren ganz glücklich, als ich dann wieder richtig fit war.

Zusammen mit den anderen vier Freiwilligen haben wir den Lake Manyara besucht. Das Highlight dabei war eigentlich nicht der See (obwohl der auch sehr schön war), sondern die Tiere, die dort leben. Wir haben Giraffen gesehen! Auf die hatten wir uns schon sehr gefreut, denn im Ngorongoro-Krater leben leider keine. Auch haben wir eine kleine Elefantenherde gesehen, die genüsslich ein paar Blätter von ein paar Bäumen fraß und dann weiterzog. Eine riesige Affenfamilie, die bestimmt 100 Affen umfasste, kam uns auf dem Weg entgegen. Sie zog an unserem Auto vorbei und es waren so viele! Die kleinen Affenbabys haben sich an den Bauch ihrer Mutter geklammert und wenn sie schon älter waren, dann saßen sie auf dem Rücken der Eltern und schauten uns sehr interessiert an. Wir konnten die Tiere so nah und vor allem in ihrem freien Lebensumfeld sehen. Das war wunderschön. Die Tiere und der Ort an sich strahlten eine so große Ruhe aus und die Tiere leben alle so friedlich zusammen. Es war ein wirklich sehr gelungener Ausflug!

(Hier fehlt das Bild von den drei Giraffen. Zwei stehen und eine liegt mit aber immer noch hoch erhobenem Kopf im Gras. Im Hintergrund sieht man Gnus, Büffel und Zebras in kleinen Herden grasen. Am Horizont ist der See zu erkennen und schemenhaft kann man unzählige Flamingos erahnen. Ein wunderschöner Einblick in die Weite Afrikas und die Harmonie der Tiere.)

Die Adventszeit hier in Tansania ist leider nicht so stimmungsvoll wie wir es aus Deutschland gewohnt sind. Das liegt schon einmal zu Großteil einfach an den hellen Sonnentagen und den warmen Temperaturen, die einfach für uns keine Weihnachtsstimmung aufkommen lassen wollen. Das hat uns zunächst etwas traurig gemacht und ließ uns das kalte und früh dunkel werdende Deutschland mit den Kerzen und Lichtern und Sternen überall vermissen. Aber wir ließen uns nicht den Mut nehmen und bastelten am ersten Advent fleißig Schneeflocken und Sterne, die wir überall in unsren beiden Räumen aufhängten. Unsere Vorgänger hatten sogar auch ein bisschen Weihnachtsdeko hiergelassen. So schmückten wir unsere Räume sehr weihnachtlich, bis wir es schon fast ein bisschen zu viel Weihnachtsdeko fanden. :-D Auch unsere lieben Familien haben uns so viele wunderbare Weihnachtspakete geschickt. Wir bekamen selbstgebackene Kekse, Schokolade, Weihnachtsdekoration, Dominosteine, Schoko-Weihnachtsmänner, Stolle, einen kleinen Tannenzweig (der wunderbaren Weihnachtsduft verbreitet) und Adventskalender aus Deutschland geschickt! So fühlten wir uns hier bald echt sehr weihnachtlich.

(Stellt euch vier rote Kerzen vor, auf einem kleinen Teller auf unserem Esstisch. Wir haben ein paar grüne Zweige von der Hecke draußen abgepflückt und einige goldene und silberne Sterne darauf verstreut. Ein Adventskranz à la Tansania. :-) )

In der Küche haben wir Kekse gebacken. Das ursprüngliche Rezept der „Heidesand-Kekse“ wussten wir ein bisschen an die tansanischen Gegebenheiten anpassen. Es gibt z.B. keine Butter wie wir sie in Deutschland kennen, sondern nur „Blueband“, was so eine Art gesalzene Butter ist. Auch gibt es so einfach keine Puderzucker zu kaufen, weshalb unser Küchenchef einfach normalen Zucker in ein Mixgerät getan hat und raus kam perfekter Puderzucker. Eine mega gute Idee, wie wir fanden. So wurde aus dem ursprünglichen „Heidesand“ ein bisschen veränderter „Wüstensand“, wie wir die tansanische Variante liebevoll tauften. Die Kekse waren super lecker und wir genossen jeden Bissen. Schade eigentlich, dass man den Wert der Dinge erst erkennt, wenn man wenig davon hat. Aber wir werden bestimmt auch in Deutschland die Sachen viel bewusster erleben und genießen. Das haben wir uns zumindest fest vorgenommen.

Ich hoffe sehr, dass ihr alle auch eine schöne Adventszeit hattet und ein wunderbares Weihnachtsfest habt! In diesem Sinne wünsche ich euch alles Liebe, frohe Weihnachten und ein wunderschönes neues Jahr mit ganz viel Freude!

Bis nächstes Jahr. ;-)

Eure Anna